Reinhard Schwabenitzky
Geschäftsführer, Regisseur, Autor, Produzent
Biografie


Reinhard Schwabenitzky wurde am 23. April 1947 als Sohn der Gastwirtstochter Else Karl und des Schauspielers Gerhard Klingenberg in Bucheben / Rauris (Salzburg) im Wirtshaus der Großmutter geboren. Bucheben war ein kleines Bauernnest mitten in den hohen Tauern – im Winter nur mit dem Pferdeschlitten erreichbar. In dieser wild romantischen Gegend verbrachte Reinhard die ersten drei Jahre seines Lebens.

Dann übersiedelte er mit seinen Eltern nach St. Pölten, da der Vater dort ein Engagement anzutreten hatte. Und schon hatte er Sehnsucht nach der Bühne und spielte als 4jähriger in Stücken wie „Das Haus in Montevideo“, „Wilhelm Tell“, „Das weiße Rössl am Wolfgangsee“, „Der Bauer als Millionär“ etc. seine ersten Rollen. Schauspielerkollegen damals waren u. a. Peter Minich, Kurt Weinzierl, Maria Englstorfer … und „sein“ Direktor war der legendäre „Knappl“.

Als Reinhard 6 Jahre alt war, kam der Abschied vom Theater – seine Eltern ließen sich scheiden und es ging zurück in die Berge – zuerst nach Mittersill zu Onkel und Tante – später nach Taxenbach zu seiner Großmutter Lena und dem Bergbauern Onkel Erwin.

Reinhards täglicher Schulweg verlief 3 km steil bergab durch den „Ederwald“ und nach der Schule wieder steil bergauf zurück. Im ersten Jahr seines Aufenthalts auf dem Bergbauernhof gab es keinen Strom – nur Petroleumlicht – und all die Jahre, die er dort verbrachte, sehr viel Arbeit. Bei Bergbauern gibt’s kein Herumsitzen oder Daumendrehen, jeder, der gesund war, musste zupacken – und in den Sommerferien ging es mit dem Vieh auf die Alm.

Auch aus heutiger Sicht möchte Reinhard diese Zeit nicht missen, denn nichts flog einem im Gebirge zu, alles musste man sich schwer erarbeiten; eine bessere Schule fürs Showgeschäft konnte man sich gar nicht wünschen. Man lernte nichts über Geld, aber viel über die Natur, das Leben und vor allem Ausdauer. Gefühle wurden nicht gezeigt – aber man konnte sie spüren. Die Luft war gut, das Leben war hart, aber aufregend, ehrlich, spannend und abends gemütlich; kein Fernseher, nur ab und zu ein Kartenspiel und Musik aus dem Radio.

Als Reinhard 9 Jahre alt war, heiratete seine Mutter wieder. Daher ging es mit ihr und dem Stiefvater nach Salzburg in das von Großmutter neu erstandene Gasthaus „Itzlinger Hof“. Ganz einfach war dieser Ortswechsel nicht – es dauerte eine Zeit, bis Reinhard in Salzburg Freunde fand, bis er von Lehrern und Mitschülern als vollwertiges Mitglied der städtischen Gesellschaft akzeptiert wurde. Aber diese – zum Teil ziemlich einsame Zeit – nützte er, indem er, so oft es sein Taschengeld erlaubte, ins Kino ging. Er machte sich älter um auch Filme ab 14 sehen zu können und später die ab 16. Es gab vermutlich keinen Film, der in den Salzburger Kinos lief, den Reinhard nicht gesehen hatte.

Gerade als Reinhard seine ersten echten Freunde in Salzburg fand, kam er für zwei Jahre in ein Internat. Der Internatsleiter war ein Priester. Und diese beiden Jahre waren wohl die schlimmsten in Reinhards Leben. Hier lernte er Begriffe wie Falschheit, Ungerechtigkeit, Verlogenheit, Zensur etc. leibhaftig kennen. Daher wurde ab jetzt die Zeit, die sonst – aus bäuerlicher Tradition – für die heilige Messe reserviert war, nun auch dem Kino gewidmet.

Reinhards Vater war inzwischen nach Ostberlin übersiedelt und arbeitete in den Babelsberger Filmstudios als Regisseur. Reinhard besuchte ihn mehrmals, durfte mit zu den Dreharbeiten, sah die Studios, die Schneideräume, die Kamera, schaute beim Drehen und Filmeschneiden zu und begegnete als 11jähriger Wolfgang Staudte, den er bis heute für einen der besten Filmregisseure hält (viel später, als auch Reinhard schon Regisseur war, lernten sie sich kennen und mögen). Ohne dass Reinhard es damals ahnte, prägten diese Berliner Besuche sein späteres Berufsleben.

Mit 14 gründete Reinhard eine Band, er war der Gitarrist, musste diese Band aber bald wieder verlassen, da er neuerlich in ein Internat kam, diesmal in die Nähe von Wien, nach Mödling. Dort wurde er Schüler der HTL (Höhere technische Bundeslehranstalt), Abteilung Elektrotechnik.

In der Schule ging es Reinhard schlecht. Technik war nicht seine Welt – so widmete er jede freie Minute dem Theater- und Opernbesuch, denn er wollte Schauspieler werden. Trotzdem war es sein fester Wille diese Schule durchzuziehen – ein so genannter „anständiger“ Beruf konnte ja nicht schaden.

Der Wunsch Schauspieler zu werden änderte sich im Laufe der Schulzeit auf den des Regisseurs.

Nach drei Jahren in der Mödlinger HTL ging Reinhard zurück nach Salzburg, überstand mit Müh und Not die letzten beiden Schuljahre an der dortigen HTL und schaffte sogar die Matura (Abitur). In der Freizeit spielte er wieder in einer Band, ging nach wie vor viel ins Kino, arbeitete in den Ferien bei den Salzburger Festspielen als Beleuchter und hatte dadurch Gelegenheit, die Theater-, Musik- und Opernstars dieser Zeit (1967 / 68, Karajan, Böhm, Jaqueline du pré , Oskar Fritz Schuh, etc.) hautnah mitzuerleben und sich intensiv auf die Aufnahmeprüfung für die Regieklasse des Max Reinhard Seminars in Wien vorzubereiten. Hätte er gewusst, wie diese Sache ausgeht, hätte sich Reinhard diesen Auftritt sicher verkniffen. Er hielt die Aufnahmeprüfung eher für Schikane, reagierte auch entsprechend aggressiv auf die Fragen der Lehrer, da er – im Gegensatz zu diesen – der Meinung war, dass dramatische Kunst nicht Selbstzweck, sondern fürs Publikum gedacht ist. Er fiel natürlich durch. Gottseidank: das wäre ohnehin nicht seine Welt geworden. Von einem anderen Durchgefallenen erfuhr er, dass es in Wien auch eine Hochschule für Film und Fernsehen gibt.

Reinhard hatte ein Hobby: das Fotografieren und er hatte eine 8-mm-Kamera. Er meldete sich zur Aufnahmeprüfung an, zur Sicherheit aber nicht als künftiger Regisseur, sondern für die Kameraklasse. Und dieser Schachzug hatte Erfolg. Er wurde Student der Hochschule für Musik und darstellende Kunst, Abteilung Film und Fernsehen in Wien. Wie er später erfuhr, hätte er tatsächlich nie und nimmer eine Chance gehabt als Regisseur aufgenommen zu werden.

Nachdem er aber aufgenommen war, konnte er die Hauptfächer Regie und Kamera belegen und als Gasthörer Schnitt und Dramaturgie.

Die Hochschule konnte Reinhard aber nicht alles bieten, was er als wichtig erachtete. So jobbte er, was das Zeug hielt, nahm jede Arbeit, quer durch die Wiener Film- und Fernsehbranche, die sich bot, an. Gab es mal keinen Job, saß er irgendwo in einer dunklen Ecke im Burgtheater und schaute bei den Proben zu. Noch während seiner Studienzeit heiratete Reinhard. Ein Jahr später kam sein Sohn Markus zur Welt und zwei Jahre später seine Tochter Martina.

Noch während seiner Studienzeit wurde Reinhard Schwabenitzky Regieassistent bei Axel Corti, Franz Antel, Bernhard Wicki, drehte als Kameramann eine TV-Serie und Werbespots. Mit seinem Stiefvater war die Kommunikation nicht sehr einfach: Geld von zu Hause wollte er daher keines mehr, also war es geradezu ein Segen, dass er mittlerweile – trotz des Studiums – genug Arbeit hatte, um seine Familie zu ernähren.

Seinen Diplomfilm drehte Reinhard zwei Jahre vor der Diplomprüfung. Diesen Diplomfilm „DIE LEBENSAUFGABE“ strahlte der ORF aus. Daraufhin erhielt Reinhard sein erstes Angebot als Regisseur: „SCHWESTER MARTHA VERZICHTET AUF IHR GLÜCK“. Der Erfolg dieser Satire war so groß, dass kurz darauf ein zweites Angebot kam: „DIE ENTFÜHRUNG EINER UNMÜNDIGEN PERSON“, ein 30-minütiges Fernsehspiel und „SALZ DER ERDE“. Außerdem gewann er einen Drehbuchwettbewerb. „SALZ DER ERDE“ war ein dermaßen großer Erfolg, dass ein zweiter Teil mit dem Titel „EIN ECHTER WIENER KANN NICHT UNTER GEHEN“ gedreht wurde und damit war eine Kultserie geboren, die im österreichischen Fernsehen ihresgleichen sucht: „EIN ECHTER WIENER GEHT NICHT UNTER“. Und so kam es, dass ein Star-Regisseur (wie die Wiener Presse Reinhard Schwabenitzky damals schon nannte) im März 1975 zur Diplomprüfung für die Fächer Kamera und Regie antreten musste – er bestand diese beiden Prüfungen – zwar nicht mit Auszeichnung (wie man dort erwähnte), aber immerhin.

Reinhard erhielt einen der wichtigsten Fernsehpreise im deutschen Sprachraum, die „Goldene Kamera“, und ab da – trotz der großen Erfolge, die er hatte – gab es Menschen beim österreichischen Fernsehen, denen diese steile Karriere nicht zu passen schien und die ihm die Arbeit immer schwerer machten, bis Reinhard schließlich der Kragen platzte. Er verließ Wien in Richtung München.

In Deutschland eilte er von Erfolg zu Erfolg – beruflich. Privat ging die Beziehung zu seiner Frau und umgekehrt – zu Ende. Es kam zur Scheidung; der Kontakt zu Reinhards Kindern, Markus und Martina, wurde aber so intensiv wie möglich aufrechterhalten. Zu ihnen hatte und hat er eine besondere Beziehung.

Reinhard lernte die Schauspielerin Elfi Eschke kennen und einige Jahre später heirateten die beiden und übersiedelten von München nach Österreich – aufs Land – in der Nähe Salzburgs. Kurz darauf sind auch Markus und Martina dort mit eingezogen und fünf Haustiere gesellten sich dazu. Wegen der Kinder war eine lange Abwesenheit von zu Hause nicht mehr möglich, so wurde in Salzburg eine Filmfirma, die „SK-Film“, gegründet und der erste Spielfilm produziert: „ILONA & KURTI“ wurde ein Riesenerfolg. Ein Jahr später hat Reinhard die SK-Film verlassen und die „Star*Film GmbH“ gegründet, mit der er mindestens einen Film pro Jahr produzierte.

1996 kam sein drittes Kind, Lucas, zur Welt, forderte und bekam bzw. bekommt viel Zuwendung und Zeit. Als Regisseur arbeitete Reinhard deshalb weniger als früher und widmete sich dafür intensiv der Stoffentwicklung und dem Drehbuchschreiben – einer Arbeit, die man zu Hause erledigen kann. Die Bücher, die er schrieb, wurden alle von ihm als Regisseur und Produzent realisiert und waren durchwegs erfolgreich – zum Teil sogar international. Inzwischen ist sein Sohn Markus sein engster Partner in seiner Firma, der Star*Film, Martina eine sehr gute Schauspielerin geworden und sein jüngster Sohn Lucas Schüler mit starken Ambitionen zum Schauspieler. Er wirkte daher auch das eine oder andere Mal bei Schwabenitzky-Filmen mit. Und Elfi Eschke, Reinhards Frau, ist nach wie vor seine Lieblingsschauspielerin.

Dazu kommt, dass Reinhards Mutter mit knapp 80 in Pension ging und er daher das „Hotel Restaurant Itzlinger Hof“ in Salzburg übernehmen musste. Dort hat er sich ein erstklassiges Organisations-, Küchen- und Service-Team aufgebaut. Daher bleibt nach wie vor genügend Zeit für seinen eigentlichen Beruf: Dem Filmedrehen.